20.4.11
Die Stunde der Wahrheit naht. Vor Tagen ist die Anklageschrift des Vorstandes der Thurgauischen Ärztegesellschaft per eingeschriebener Post in meinem Haus angekommen. Eine völlig neue Situation für einen Menschen, dem der Gang zu einem Gericht bisher erspart geblieben ist. Gewiss: ich muss "nur" vor dem Ehrenrat unserer Fachgesellschaft antreten. Das Ganze aber ist in Form und Aufmachung einer Vorladung gleichzusetzen. Mittlerweile sind mir auch die Namen einiger Kollegen bekannt, welche hinter der ganzen Affäre stecken. Das macht die Sache für mich nicht leichter. Allerdings bekomme ich von meinen Patienten, welche die ganze Angelegenheit auf dieser Homepage verfolgen, viele aufmunternde und verständnisvolle Worte zu hören. Und das tut gut. Dass unter den Menschen, die es gut mit mir meinen, auch einige Kollegen sind, gibt mir Mut und Zuversicht. Ein herzliches Vergelt's Gott!
1.4.11
Fast gewinne ich den Eindruck, die Wogen hätten sich etwas geglättet. Die Zusammenarbeit unter uns Kollegen hat keinen Schaden genommen. Wir vertreten uns im Notfalldienst so gut wie ehedem. Das kommt unseren Patienten zugute. Sofern sich die SWICA an das Versprechen hält, kein Öl mehr ins noch lodernde Feuer zu giessen, wird die Kollegialität wieder so sein, wie sie einmal war. An mir und Frau Dr. Greiner soll es nicht liegen. Die neue Software mögen wir definitiv nicht. Daran können wir nichts ändern. Und dass uns Tag für Tag neue Vorschriften ins Haus fliegen, macht uns auch nicht glücklicher. Mit einer Portion Gelassenheit und ein bisschen Humor versuchen wir den Regelungen, die uns nicht in jedem Fall überzeugen, zu begegnen.
20.3.11
Am 15.3.11 trafen sich Ärzte aus unserem Dienstkreis, Vertreter der Thurgauischen Ärztgesellschaft und die höchsten Vertreter der SWICA in Bischofszell. Nach einer kurzen Abtastphase flogen dann die Fetzen. Dabei wurden die Vertreter der SWICA und meine Wenigkeit nicht geschont. So bekam ich von einem Kollegen aus unserem Dienstkreis den Vorwurf an den Kopf geschmissen, ich hätte meine Seele dem Teufel verkauft. Ein Kollege aus Bischofszell glaubte zu wissen, welch hohen Betrag ich für den Verkauf der Praxis in die Hand gedrückt bekommen hätte. Offensichtlich gibt es unter den Kollegen solche, die über den Kaufvertrag besser Bescheid wissen als ich. Eines muss ich doch gestehen: ich hätte nichts dagegen einzuwenden gehabt, wenn mich die SWICA derart fürstlich bezahlt hätte, wie es der Kollege zu wissen glaubt. Die Positionen sind bezogen. Die SWICA bleibt nicht nur für die Bischofszeller Kollegen das Feindbild Nummer eins. Und ich selber habe mich damit abzufinden, dass ich mich mit dem Gegner verbündet habe. Was dies für die künftige Zusammenarbeit bedeutet, wird die nahe Zukunft zeigen.
11.3.11
Noch ist das Verfahren, dass die Thurgauer Ärztegesellschaft gegen uns SWICA-Doctores eingeleitet hat, nicht beendet. Es sieht so aus, dass mein Weinfelder Kollege, Fredy Schweizer, und ich vor dem Ehrenrat der TÄG antraben müssen. Aller Voraussicht nach kommen wir mit einer Ermahnung oder einem Verweis davon für einen Fehler, den wir gar nicht begangen haben. Kurios, finden Sie nicht auch? Weil die TÄG aber der SWICA nichts anhaben kann, müssen jene Mitglieder den Kopf hinhalten, welche Mitglieder der honorablen Gesellschaft sind. Ein Unicum, das wohl nur wenige verstehen und begreifen. So oder so: ich werde mich wie bisher voll und ganz für meine Patienten einsetzen. Ich denke, dass man mir diese Verhaltensweise eher nicht verbieten kann. Fortsetzung folgt!
26.2.11
Die Drohung des Kantonsaztes, den SWICA-Ärzten die Praxisbewilligung zu entziehen, ist noch nicht ganz vom Tisch. Es haben intensive Kontakte zwischen dem Präsidium, einer SWICA-Task-Force und mir stattgefunden. Die obersten Vertreter der SWICA hatten zudem mit dem zuständigen Regierungsrat, BK, und seinem Kantonsarzt, ein Gespräch. Daneben gingen schriftliche Stellungnahmen hin und her. Kurz: die Sache ist für mich noch nicht ausgestanden. Vielleicht komme ich mit einem Verweis davon. Komisch nur: ich habe mir der standeswidrigen Werbung nichts, aber auch gar nichts zu tun. Offensichtlich haben wir SWICA-Ärzte uns gemäss Pragraph 20 der FMH-Standesornung schuldig gemacht. Gesetz ist Gesetz.
1.2.11
Ich erlaube mir, nochmals auf den Brief zurück zu kommen, den der neue Kantonsarzt, Mathias Wenger, an alle Mitglieder der Thurgauer Ärztegesellschaft (TÄG) geschrieben hat. Dabei geht es um die Werbung, mit welcher die SWICA die Standesregeln verletzt hat. Je mehr ich über den Inhalt des unfreundichen Briefes nachdenke, desto mehr wächst in mir die Überzeugung, dass der neue Chef den Vorschlaghammer ausgepackt hat, obwohl ein Plastikhämmerchen auch genügt hätte. Stand er zu sehr unter dem Eindruck jener Ärzte, die gegen die SWICA nicht zu Unrecht Sturm gelaufen sind? Wollte er gleich zu seinem Einstand ein Zeichen setzen? Lag ihm daran, den schwarzen Schafen unter den Ärzten den Tarif zu erklären? Wie dem auch sei. Es ist unserem Chef glänzend gelungen, gegen die paar wenigen Thurgauer SWICA-Ärzte Stimmung zu machen. Dies wäre allerdings nicht nötig gewesen, werden wir doch seit geraumer Zeit von Kolleginnen und Kollegen gemieden und wie Schwerverbrecher behandelt. Was für ein Unrecht haben wir denn begangen? Wir sind gegen den Strom geschwommen. In meinem Falle ist es mir gelungen, die Praxis vor den Aus zu retten, nachdem andere Lösungsversuche gescheitert waren. Meine Patienten, die mit überwältigender Mehrheit hinter mir stehen, wissen nun, dass es mit der Praxis auch dann weiter geht, wenn ich einmal aufhöre. Sie müssen nun keine neue Praxis suchen. Für viele ein sehr grosser Trost, wie ich tagtäglich zu hören bekomme. Dass neben den Patienten auch meine langjährigen Mtarbeiterinnen eine Zukunft sehen, ist als Positivum zu werten. Dass der Abschluss mit der SWICA auch für mich und meine Familie Vorteile bringt, versuche ich gar nicht erst abzustreiten.
Wie heisst es doch so wahr: "mitgegangen - mitgefangen". Obwohl ich an der SWICA-Werbung nicht aktiv beteiligt war, werde ich als Mitschuldiger gebrandmarkt. Auf den ersten Blick vielleicht verständlich; auf den zweiten etwas weniger. Ich werde künftig noch besser darauf achten, dass ich nicht in eine Werbung eingebunden werde. Nichts liegt mir ferner, als mich fachlich über die Kollegen zu stellen. Das habe ich nie getan. Ich werde es auch künftig lassen.
Wenn ich mich nicht irre, haben in der Zwischenzeit Gespräche zwischen den Vertretern der TÄG und der SWICA stattgefunde. Ich hoffe, dass es gelungen ist, den Konflikt, unter welchem ich stark gelitten habe, zu beseitigen. Vielleicht reift dann beim einen oder anderen Kollegen die Überzeugung, dass unser Verhalten so schlimm nicht war.
29.1.11
Nun wird es aber doch ernst: der neue Kantonsarzt, Mathias Wenger, seines Zeichens CVP- Nationalratskandidat, hat an alle Thurgauer Ärzte eine Kopie seines Briefes an die Generaldirektion der SWICA geschickt. Und dieser Brief nun hat es in sich: zum Einen wird der SWICA ganz klar vorgeworfen, in Sachen Werbung die Standesregeln der Ärztegesellschaft verletzt zu haben; zum Anderen wird jenen Ärzten, die bei der SWICA arbeiten, sogar mit dem Entzug der Praxisbewilligung gedroht! Schon etwas dicke Post, wie ich meine. Doch: die SWICA hat sich diesen Zwist mit ihrer sehr, sehr aggressiven Werbestrategie selber eingebrockt. Diese hat auch unter den Kollegen, mit denen ich seit vielen, vielen Jahren zusammarbeite, für grossen Ärger gesorgt. Wohl zum ersten Mal in all den vielen Jahren unserer Zusammenarbeit haben sie an meiner Kollegialität gezweifelt. Eine Reaktion, die ich begreife und verstehe. Natürlich hoffe ich sehr, dass sich die beiden Parteien möglichst bald zusammenfinden und den ernsthaften Konflikt zur Zufriedenheit aller Beteiligten lösen. Für mich wäre der Entzug der Praxisbewilligung ein schwerer Schlag. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich mir in gut 30 Jahren Praxistätigkeit in Sachen Standespolitik nichts Beudeutendes habe zuschulden kommen lassen... Nicht auszudenken, wie ich reagieren würde!
Kleine Anmerkung am Rande: ich gehöre dem Komitee "Mathias Wenger in den Nationalrat" an.... Doch dies ist eine Sache, welche auf einer anderen Ebene stattfindet. Im Moment kann ich diese beiden Felder noch trennen...
23.1.11
Heute, 3 Wochen nach der Einführung der neuen Software "Achilles", kommen wir schon ordentlich voran. Allerdings sind wir der Ansicht, dass die alte Software "Aeskulap" besser und schneller war. Vor allem konnten bestimmte Funktionen mit der Tastatur ausgelöst werden. Das neue Programm ist völlig auf die Bedienung mit der Maus ausgerichtet, was etwas mehr Zeit erfodert. Noch haben wir das alte Tempo nicht ganz erreicht, was hie und da zu Verzögerungen führt. Bis jetzt haben die Patienten grosses Verständnis für unsere Schwierigkeiten gezeigt. Herzlichen Dank. Wir werden uns bessern. In meinem Arbeitsvertrag ist eine wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden festgeschrieben. Schön wär's..... Es ist doch unmöglich, von einem Tag auf den anderen die unfertige Arbeit dann nieder zu legen, wenn die Uhr es will. Die Überstunden können als Ferien bezogen werden. Wenn es so weiter geht, kann ich ab dem Spätsommer Ferien einziehen, was aber sicher nicht geschehen wird! Wir werden schneller und effektiver werden. Und dann sieht das Ganze anders aus. Wetten!?
Die SWICA und die Thurgauer Ärztegesellschaft (ÄTG) liegen sich seit der Gründung der SWICA-Zentren in Weinfelden und Bischofszell in den Haaren. Erneut hat sich der Präsident der ÄTG im Hintergund verlauten lassen. Er und sicherlich einige Mitglieder sind der Ansicht, die Werbung, welche die SWICA betreibe, sei mit den Standesregeln der Thurgauer Ärztegesellschaft unvereinbar. Im Moment sind die Juristen an der Arbeit. Unverhohlen werden jenen Ärzten, welche für die SWICA arbeiten, Sanktionen angedroht. Was könnte uns im schlimmsten Fall passieren? Ausschluss aus der honorablen Ärztegesellschaft, womit ich den FMH-Titel verlöre und 2'000 Franken Mitgliederbeitrag sparen würde? Ein Berufsverbot kann mit Sicherheit nicht ausgesprochen werden. Auch für einen angestellten Arzt gilt die Berufs- und Gewerbefreiheit. Andere Bestrafungsmöglichkeiten sehe ich nicht. Ich denke, dass ich der weiteren Entwicklung gelassen entgegen sehen kann. Ich mache meine Arbeit so gut wie möglich wie bisher und kümmere mich nicht um das Juristenfutter.
28.12.10
Im Moment würde man die Praxis als solche nicht mehr erkennen. Die Umstrukturierung ist voll im Gang. Alte Geräte werden vom Netz genommen, neue installiert. Das ganze bisherige PC-Netzwerk ist den Neuerungen zum Opfer gefallen. Neue Telefone zieren die Tische. Noch effektivere Laborgeräte verkürzen die Verarbeitungszeit. Dazu kommt die neue Software, welche uns schon etwas Sorgen bereitet. Ich nutze die Gelegenheit, mich mit den Neuerungen etwas vertraut zu machen. Der Start der neuen Praxis am 3.1.11 fällt dann etwas leichter.
25.12.10
In der letzten Woche des Jahres 2010 bleibt die Praxis geschlossen. Grund: Installation der neuen Hard- und Software, Inventur und Testläufe der neuen Systeme. Denn, am 3.1.11 sollte ja die Infrakstruktur bereit sein. Die Mitarbeiterinnen geniessen eine Woche Ferien, während der Chef hier in der Praxis gebraucht wird. Wie ich bereits früher erwähnt hatte, wird es einige Zeit dauern, bis wir die neue Software im Griff haben. An die neuen Arbeitszeiten werden wir uns schneller gewöhnen. Ab dem Neuen Jahr gibt es an Samstagen vorerst keine offiziellen Sprechstunden mehr. Dafür bleibt die Praxis an 5 Wochentagen von 07.00 bis 19.00 Uhr geöffnet - auch über Mittag, was sicherlich vielen Werktätigen entgegen kommt. Schon jetzt bitten wir unsere Kunden um Verständnis, falls uns die neue Technik einen Streich spielt und die eine oder andere Leistung etwas länger dauert. Wir versichern Ihnen, dass wir unser Bestes geben werden. Leider ist dies nicht immer genug.
12.12.10
Noch bleibt viel Arbeit, bis das neue SWICA-Gesundheitszentrum rund läuft. Viel Vorarbeit wurde vor allem durch unsere Praxis-Managerin Rebecca geleistet. Einiges bleibt noch zu tun. Was uns am meisten schmerzt, ist die Tatsache, dass wir nicht wenige Patienten verloren haben, deren Versicherung das SWICA - Hausarztmodell nicht unterstützt. Somit kommen diese meist langjährigen Patienten nicht in den Genuss von Vergünstigungen. Schade, schade, aber leider nichts zu machen. Nur: auf der anderen Seite haben sich bei uns neue Kunden gemeldet, die gerne zu uns wechseln möchten. Gerne erwähne ich hier, dass wir nicht zu jenen Praxen gehören, die keine neuen Patienten aufnehmen. Wir heissen all jene Gesunden und Kranken, die uns gerne als neue Hausärzte wählen würden, herzlich willkommen. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel. So nehmen wir keine Leute an, die häufig den Hausarzt wechseln oder über ihren bisherigen Arzt schlecht reden.
Ob wir am 3.1.11 bereit sind? Aber klar doch. Zumindest medizinisch. Die neue Software wird uns eine gewisse Zeit nerven. Die Sprechstundenzeiten sind festgelegt. Eine neue Mitarbeiterin ausgewählt. Wird schon schief gehen.... meine ich. Abwarten. Wegen eines kleinen Windstosses fallen wird doch nicht um. Und die Probleme sind ja da, um gelöst zu werden. Packen wir es an.
Nicht wenige haben mitbekommen, dass die SWICA von Bischofszeller-Arztkollegen (Namen spielen keine Rolle) heftig angegriffen wurde. Nicht nur die Blitzgescheiten haben gemerkt, dass die Kritik eigentlich gegen mich gerichtet war, gemäss dem Motto: man schlägt den Esel und meint den Bauern. In der Zwischenzeit haben sich die Wogen etwas geglättet. Skepsis auf beiden Seiten ist geblieben. Ich werde mich wie bisher fair und kollegial verhalten, wie ich dies während gut 30 Jahren auch getan habe. Eine Replik in der Presse von meiner Seite bleibt aus, auch wenn ich damit den einen oder anderen Menschen, der es gut mit mir meint, enttäusche. Ich werde mich hüten, allfällige Konflikte mit Kollegen in der Presse breit zu schlagen. Das überlasse ich anderen.
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