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3. MEDIZINISCHE AKTUALITÄT

Fähre am Sambesi

12.5.12

"Sexuelle Übergriffe in Schweizer Arztpraxen". Diesem heiklen Thema wird in der Laien- und Fachpresse in den letzten Wochen viel, sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die hohe Anzahl der Verfehlungen macht einen Arzt, der sich in dieser Beziehung nichts hat zuschulden kommen lassen, tief betroffen. Es steht mir nicht zu, jene Kollegen, die sich unkorrekt verhalten haben, zu kritisieren. Ich kann nur hoffen, dass die öffentliche und hoffentlich auf offene Diskussion zu einem starken Rückgang der Übergriffe führt. Ganz werden sie kaum ausgemerzt werden können. Der ohnehin schon nicht mehr hervorragende Ruf von uns Ärzten steht auf dem Spiel.

3.5.12

Gemäss US-Forschern gehören Spitaleinweisungen aufgrund von Medikamenten-Nebenwirkungen zu den häufigsten überhaupt. Ein paar Fakten: pro Jahr werden in Amerika 270'000 Medikamentennotfälle aufgezeichnet. 100'000 sind so schwer, dass eine Spitaleinweisung unumgänglich ist. Wieviele dieser Fälle tödlich enden, ist nicht beschrieben. Ein Fazit lässt sich dennoch ziehen: je älter die Menschen sind und je mehr Medikamente sie schlucken, desto häufiger treten ernsthafte Störungen auf. Obwohl es für die Schweiz keine offiziellen Zahlen gibt, darf man davon ausgehen, dass das Gefahrenpotential durch Medikamente bei uns etwa gleich gross ist.

Haben Sie geahnt, dass von den über 65-jährigen Bewohnern der Schweiz 40% fünf bis neun und 18% gar 10 oder mehr verschiedene Medikamente einnehmen? Eine unglaubliche Zahl, die ich als Arzt fast nicht glauben kann. Die Zahlen indes scheinen nicht aus der Luft gegriffen, sondern gut belegt zu sein. Welches nun sind die Wirkstoffgruppen, welche die meisten Nebenwirkungen verursachen? An der Spitze stehen die Antikoagulantien wie Marcoumar; sie sind in einem Drittel der Fälle die Bösewichte; ein weiteres Drittel kann den Antidiabetica (Insulin und Zuckertabletten) und den Thrombocyten-Aggregationshemmern (Aspirin und Verwandte) zugeschrieben werden. Was können - besser: was müssen wir daraus lernen? Sich bei jedem zusätzlichen Produkt fragen, ob es nötig sei. Gerade heute habe ich bei einem bald 70-jährigen Mann, der an einer schweren Durchblutungsstörung der Beine leidet, die Pillenzahl von 13 auf 4 pro Tag reduziert. Ich werde ihn nun engmaschig kontrollieren, damit ich eine allfällige Verschlechterung seines Zustandes sofort erkennen und die Medikation gegebenenfalls wieder herauffahren kann.

Sicher ist Ihnen die Bezeichnung "COPD" schon begegnet. Die 4 Buchstaben stehen für die englische Bezeichnung "chronic obstructive pulmonary disease". Damit ist eine bis heute unheilbare Lungenerkrankung gemeint, welche mit Atemnot, Husten und Auswurf einhergeht. Die Ursachen für die schwere Krankheit sind vielfältig: Rauchen, Umweltverschmutzung, berufliche Exposition, Infektionen, genetische Faktoren und ev. die Ernährung. Einmal mehr führen die Raucher die unheilvolle Rangliste an. Es kann aber jeden anderen treffen, wenn auch seltener. Die Krankheitsfälle nehmen in beängstigendem Masse zu. Bald wird dieses unheimliche Lungenleiden Platz 4 in der Todesursachenstatistik einnehmen. Und dies scheint noch nicht das Ende des Vordringens unter die häufigsten Sterbegründe zu sein. Bis heute gibt es keine gute Behandlung. Unser Ziel besteht darin, die Symptome zu mildern und das Überleben in Würde zu verlängern. Dass die Raucher dem Nikotin sofort abschwören sollten, versteht sich von selbst.
Dass es sich nicht um eine reine Zivilisationskrankheit handelt, zeigen die Erkrankungszahlen aus der Dritten Welt. Dort steigt die Erkrankungsrate rasant an. Warum? Weil vielerorts am offenen Feuer gekocht wird ohne Luftabzug oder Ventilation. Das offene Feuer in einem geschlossenen Raum ist Gift für die Lunge - nicht nur für die Lunge.

29.4.12

Bis zu 80% der Operationen sollen überflüssig oder zumindest fragwürdig sein. Eine hohe Zahl, wie sicher nicht nur mir scheint. Etwas unklar bleibt, wie die Autoren der Sonntagszeitung zu solchen Zahlen kommen. Die Quellen sind mit Sicherheit nicht als klar und rein zu bezeichnen. So oder so: es gibt viele Eingriffe, über deren Sinn und Unsinn getrost positive und negative Aussagen möglich sind. Ein Beispiel: die Gebärmutterentfernung ist wohl eine der häufigeren Eingriffe, welche sich nicht in jedem Fall auf klare medizinische Befunde abstützen kann. Die Hysterectomie - so der Fachausdruck - ist zu einem Modeeingriff verkommen. Leider in den meisten Fällen auf Kosten der Sozialversicherung. Dies nur ein Beispiel. Dass es deren noch viele gäbe, wissen die Chirurgen am besten. Sie leben schliesslich davon....und schweigen.

In der Laien- und Fachliteratur steht zur Zeit die akute Bliddarmentzündung (Appendicitis acuta) im Fokus. Soll man sie antibiotisch behandeln oder weiterhin operieren? Die Fachleute sind uneins. Eine sichere Empfehlung kann nicht abgegeben werden, da die Daten pro oder contra zu klein sind. Vielleicht lohnt es sich in jenen Fällen, die nicht ganz klar sind, und das sind nicht wenige, einen Behandlungsversuch mit einem Antibioticum zu wagen. Spitzt sich die Lage innerhalb von 24 Stunden zu, kommt das Messer zum Einsatz. Dies unsere Taktik im Moment. Fortsetzung folgt.....

24.4.12

Die "santésuisse" - nicht zu verwechseln mit der "santémed" - und die Vertreter der Schweizer Ärzte FMH liegen sich erneut den Haaren. Einmal mehr geht es um die Medikamentenabgabe durch die frei praktizierenden Ärzte, welche nun nach jahrelangem Kampf auch im Kanton Zürich erlaubt ist. Streitpunkt ist die Marge, welche den Doctores durch die Pharmafirmen gewährt wird. Diese Marge ist längst nicht mehr frei, sondern klar reguliert. Dennoch wird ein falscher Anreiz gesetzt: je mehr Medikamente ein Arzt verkauft, desto grösser ist sein Gewinn. Leider kann nicht von vorneherein angenommen werden, dass es keine Kollegen gibt, die sich von materiellen Überlegungen mitleiten liessen. Eine andere Abgeltunsform, welche Rücksicht auf die fachliche Leistung und den zeitlichen Aufwand nähme, muss wohl künftig die Medikamentenmargen ersetzen. Nur, wie fast immer, liegt der Teufel im Detail. Die Vorschläge der santésuisse und der FMH klaffen derart weit auseinander, dass sich die FMH aus den Verhandlungen verabschiedet hat. Das Wursteln geht wohl weiter - solange, bis der Bundesrat eine Lösung verordnet, vor welcher sich wohl alle Beteiligten fürchten...

1.4.12

Künstliche Knie- und Hüftgelenke erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Jedes Spital, das etwas auf sich gibt und etwas von sich hält, pflanzt heute künstliche Gelenke ein. Wie bei den Brustimplantaten, mehren sich bei operierten Patienten die Klagen über unerwartete Komplikationen. So wird bei kompletten Metallgelenken der Hüfte zunehmend von Abrieb geredet. Das heisst, dass an den Berührungsflächen von Kopf und Pfanne feine Partikel entstehen, welche das umliegende Gewebe schädigen und vorzeitig zu Beschwerden führen können, welche eine nicht geplante Auswechslung notwendig machen. Viele Produzenten sind dazu übergegangen, Voll-Metallgelenke aus der Produktion zu nehmen. Bei Metall-Polyaethylen-Prothesen sind die erwähnten Komplikationen bis heute nicht bekannt. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende, wurden doch im Verlaufe der letzten Jahrzehnte vielen Tausend Patienten Metallgelenke eingepflanzt. Fortsetzung folgt. Von den Kosten reden wir nicht. Eine Hüft-Totalprothese kostet in der Schweiz zwischen 15'000 und 20'000 Franken.

14.3.12

Die Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels erfreuen sich weltweit grosser Beliebtheit. Die nicht ganz billigen Tabletten spülen mehreren Chemiekonzernen Milliarden in die bereits übervollen Kassen. Immer mehr namhafte Kritiker äussern Bedenken, was die Wirkung und die Nebenwirkungen betrifft. Ein langer Artikel im "Spiegel" stellt die Frage, ob es überhaupt Sinn mache, das Cholesterin bei jenen Menschen zu senken, bei welchen keine Herz- oder Gefässerkrankung vorliegt. Mit Sicherheit werden die Statine - so werden die Cholesterinsenker im Fachjargon genannt - auch von uns Ärzten viel zu viel verschrieben. Dies nicht zuletzt deshalb, weil wir nicht mit Sicherheit wissen, ob wir einen Fehler begehen, wenn wir einem Patienten mit einem sehr hohen Cholesterinspiegel kein Statin verschreiben. Die Stimmen mehren sich, welche darauf hinweisen, dass wir einem gesunden Menschen, in dessen Blut wir zu viel Cholesterin finden, eher schaden als nützen, wenn wir ihm einen Cholesterinsenker verkaufen. Zum Einen sind die Normalwerte in der Schweiz viel zu tief angesetzt; zum Anderen betreue ich nicht wenige Menschen, die weit über 80 sind und mit einem langdauernden hohen Cholesterin aufwarten. Der zu tiefe Normalwert wird uns von der Chemie und von Fachleuten diktiert, die mit ihren "wissenschaftlichen" Artikeln nicht wenig Geld von den Firmen kassieren. Dass es nur wenige, sehr wenige Forschungsarbeiten gibt, die nicht von einem Pharmakonzern finanziert werden, ist längst kein Geheimis mehr.
Bei einigen Menschen haben die Statine gar einen Diabetes II (Zuckerkrankheit) ausgelöst. Andere haben schwere Muskelschädigungen erlitten. Ganz zu schweigen von Magen-Darm-Unverträglichkeiten. Auf die Interaktionen mit anderen, lebensnotwendigen Medikamenten, gehe ich nicht ein.
Fazit: das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Dass ein gesunder "Cholesteriker" überhaupt von einer Senkung dieser körpereigenen Subs-Totaltanz profitiert, bleibt umstritten. Sichere Beweise für einen Profit fehlen. In der Medizin gilt nach wie vor das Gesetz: "primum nihil nocere" . Die vornehmste und wichtigste Aufgabe von uns Ärzten bleibt, dem Menschen mit unserem Tun nicht zu schaden...

19.2.12

Ein paar Fakten - auch für Nichtärzte

- Griechenland:

Anstieg der Selbstmordrate in der ersten Hälfte des Jahres 2011 um 40%;
Zunahme der HIV-Neuinfektionen im gleichen Zeitraumn umn 52%;
iv-Drogenkonsum Hauptgrund für die HIV-Neuinfekte;
absichtliche Infektionen nicht selten mit dem Ziel, in den Genuss der Sozialhilfe von 700 Euro pro Monat zu kommen;
zusätzlich Aufnahme in methadongestützte Substitutionsprogramme;
26'000 im Gesundheitswesen arbeitende Menschen werden ihre Arbeit verlieren;
unter diesen 9100 Ärzte.....

- Auszug aus den OECD-Zahlen zur weltweiten Gesundheitslage:

Lebenserwartung in den USA 78, in der Schweiz 82 Jahre;
Gesundheitswesen in den USA noch teurer als in der Schweiz;
Todesrate aufgrund einer Herzkranzgefässerkrankung in den USA 154 pro 100'000 Einwohner, in Frankreich nur 54 pro 100'000;
in Frankreich wird mehr fois gras, Käse und Wein konsumiert als in den USA;
Anzahl der MRT (Magnetresonanztomografie) in den USA 91 pro 1000 Einwohner, in Kanada 31 pro 1000 Einwohner;
höhere Anzahl MRT mit höheren Kosten, ohne gesundheitlichen Nutzen;
in den USA 521 Bypass-Operationen auf 100'000 Einwohner, in der Schweiz 144 pro 100'000 E.;
Fazit: das Gesundheitswesen in den USA ist das teuerste der Welt. Invasive Eingriffe sind in Amerika häufiger als anderswo auf der Welt. Ein Nutzen für die Gesamtbevölkerung ist nicht nachgewiesen.

Frage: was läuft falsch?





16.2.12

Eben habe ich auf Facebook (!) einen Bericht über die First Responder (FR) von Bischofszell und Wil gelesen. Kürzlich hatten sie ihr Wissen und Können in einer Übung getestet. Die FR leisten ihre Arbeit vor allem im Hintergrund, weshalb man sie zu Unrecht zu wenig zur Kenntnis nimmt. Dank unserer FR müssen wir Ärzte viel weniger häufig zu Unfällen ausrücken. Eine grosse Erleichterung, die wir ernorm zu schätzen wissen. Ich erlaube mir im Namen aller Bischofszeller Ärzte den unermüdlichen Helfern im Hintergrund ein ganz grosses Dankeschön auszusprechen. Macht weiter so, auch wenn die Arbeit ganz offensichtlich zu wenig geschätzt wird. Merci!

15.2.122

Die Kältewelle haben wir nun gehabt. Eine Grippewelle spüren wir noch nicht. Einzelfälle bestätigen die Regel. Noch ist der Winter nicht vorbei. Die Viren können noch immer zuschlagen.

Die Sonntagspresse greift fast regelmässig ein Thema aus der grossen weiten Welt der Medizin auf. Letzthin war einmal mehr die Über-Verarztung (was für ein unmöglicher Begriff) das grosse Thema. Neuer Wein in alten Schläuchen! Uns Ärzten ist natürlich bekannt, dass man vor allem bei alten Leuten mit eingeschränkter Nieren- und Leberfunktion bei gewissen Medikamenten grösste Zurückhaltung walten lassen muss. Nicht selten wird ein Greis oder eine Greisin mit 10 verschiedenen Medikamten aus dem Spital entlassen. Allerdings wäre es falsch, die Spitäler allein als Urheber der Polypragmasie (Vielfach-Behandlung) zu verurteilen. Auch in der Praxis betreuen wir tagtäglich Kranke, welche nicht selten 5 oder mehr Tabletten pro Tag zu schlucken haben. Immer und immer wieder frage ich mich, welches Produkt am ehesten auf der Seite gelassen werden kann. Dass sich die vielen Arzneien gegenseitig nicht immer positiv beeinflussen, ist eine Tatsache, die jedem Arzt geläufig ist. Kommt dazu, dass nicht wenige Patienten zusätzlich zu Produkten aus der Drogerie und Apotheke greifen. Auch diese vermeintlich harmlosen Naturprodukte zeigen nicht selten Nebenwirkungen, die als )unbedeutend zu klassieren sind.

5.2.12

Im Verlaufe der letzten Woche wurde erstmals in diesem Winter über Grippefälle berichtet. Von einer Epidemie sind wir weit entfernt. Es sind einzelne Personen, welche sich das Grippevirus aussucht. Wer zu den "Auserwählten" gehört, ist nicht auszumachen. Bis jetzt ist keine Risikogruppe in Erscheinung getreten. Von der eigentlichen Grippe, einer schweren Krankheit mit hohem Fieber über mehrere Tage, sind die einfachen Erkältungskrankheiten, welche im Volk häufig und fälschlicherweise als "Grippe" bezeichnet werden, abzugrenzen.

21.1.12

Wie Sie aus den Medien erfahren haben, gilt ab dem 1.1.12 die freie Spitalwahl. Theoretisch. Eine der wichtigen Voraussetzungen zumindest fehlt: die Spitalliste. Das heisst: noch sind nicht alle Spitäler bekannt, welche von den Krankenkassen anerkannt werden. Denn, die Krankenkassen übernehmen die Kosten nur dann, wenn das betreffende Spital auf dieser Liste aufgeführt ist. Vor allem die Privatspitäler unternehmen alles, um in den Kreis der krankenkassenanerkannten Spitäler aufgenommen zu werden.
Eine weitere Einschränkung: verlangt das ausserkantonale Spital, zum Beispiel das Kantonsspital St. Gallen, für einen Leistenbruch mehr als das Kantonsspital Münsterlingen, muss der Patient die Differenz aus dem eigenen Sack bezahlen. Weder die Kasse, noch der Kanton übernehmen die Mehrkosten. Weil auch die Kostenliste für die einzelnen Eingriffe und Behandlungen noch nicht vollständig vorliegt, greift die neue Verordnung überhaupt nicht. Es ist die Aufgabe von uns Ärzten, die Patienten über die Halbwahrheiten aufzuklären und sie vor sehr kostspieligen Überraschungen zu bewahren.
Noch weiss niemand, wann sich Regierungen, Spitäler und Kassen einigen. Es können gut und gerne noch ein paar Monate ins Land ziehen. Darum gilt bis auf weiteres: alles bleibt beim alten.

9.1.12

Muss ein Dokotor ins Grübeln kommen, wenn sich die Grippe nirgends zeigt? Nach der Hysterie um die Grippeviren der vergangen Winter, scheinen sich die Viren aus Protest zurück zu halten. Vielleicht greifen sie dann an, wenn niemand mehr an sie denkt. Im Frühling zum Beispiel. Wäre ja nicht des erste Mal. Ob die Grippeimpfung eine gewisse vorbeugende Wirkung zeigt - nicht nur bei den Geimpften? Eines ist sicher: Ende 2012 wissen wir, wie es war.
Im Übrigen ist nicht davon auszugehen, dass wegen der fehlenden Grippepatienten die Wartezimmer leer bleiben.

7.1.12

Noch sind nicht alle Umstellungen abgeschlossen. Noch ziert die alte Tafel mit dem SWICA-Logo die Hauswand. Noch sind die Parkplatztafeln nicht ausgegetauscht. Noch ist nicht die ganze Software auf den neuesten Stand gebracht. Ein erstes Fazit: der Neuanfang unter dem Label "santémed" hat uns weniger Aufwand und vielleicht auch weniger Ärger gebracht, als wir befürchtet hatten. Unsere Kunden haben von all den Arbeiten hinter den Kulissen nichts mitbekommen. Gut so.

15.12.11

Mitte Dezember - und noch immer keine Grippe im Anzug! Normalerweise beginnen die Grippeviren ihren Kreuzzug in der Westschweiz. Zirka 2 Wochen später treiben sie dann in der Ostschweiz ihr Unwesen. Warum kommen sie nicht, die gefürchteten Übeltäter? Eine Vermutung geht dahin, dass das Wetter im November zu warm und zu trocken war. Wäre es denn so schlimm, wenn die Grippe für einmal ausbliebe? Wir hätten mit Sicherheit weniger Arbeit als üblich, was kein Unglück wäre.
Die milde Witterung hat auch dazu geführt, dass die Impffreudigkeit gegenüber dem letzten Jahr deutlich zurückggegangen ist. Mit Sicherheit geht uns der Impfstoff in diesem Winter nicht aus.

Die Vorbereitungen für den Übergang von der "SWICA" zur "santémed" sind in vollem Gange. Der Patient sollte von all den Vorgängen hinter den Kulissen nichts bemerken. Ab dem 1.1.12 "ziert" eine neue Tafel den Hauseingang. Unsere T-Shirts bekommen ein neues Logo. Briefe und Kuverts werden ausgetauscht. Nur das Personal bleibt das gleiche.

UNTERWEGS IN NAMIBIA

5.12.11

Meine eigene Regel zur Steuerung des Ausdauertrainings (zB. auf dem Fahrradergometer oder auf dem Rudergerät):

Trainingspulse = 230 minus Alter minus Body-Mass-Index (BMI).

Erklärung:

230 Pulsschläge pro Minute ist etwa die maximale Herzfrequenz, die ein Sportler im Alter von 15 bis 25 Jahren erreichen kann.
Davon abzuziehen ist das Alter; denn: je höher das Alter, desto tiefer der Maximalpuls.
BMI = Gewicht geteilt durch die Grösse im Quadrat (BMI = KG/GrössexGrösse)
Dass ein schlanker Ausdauerläufer einen höheren Puls erreichen kann als ein beleibter Jasser, leuchtet ebenfalls ein.
Natürlich ist meine Formel nicht wissenschaftlich untersucht. Im Gegensatz zu den vielen bekannten Berechnungsmodi berücksichtigt sie sowohl Alter und Körpermasse.

4.12.11

Dass die Gesundheitskosten Jahr für Jahr steigen, nehmen die meisten Menschen in unserem Land eher gelangweilt zur Kenntnis. Vielleicht macht der Eine oder Andere die Faust im Sack und schickt ein paar unanständige Worte zum Himmel - und damit hat sich's. Dass wir Ärzte an der Teuerung im Gesundheitswesen mitverantwortlich sind, streitet wohl kein besonnener Mediziner ab. Dass vor allem die Patienten über 65 einen Grossteil der Kosten verursachen, beweist die Statistik. Dass unsere hohe Lebenserwartung ein wichtiger Kostentreiber ist, ergibt sich aus dem bisher Gesagten.
Viele ältere Menschen werden nicht wegen nur einer einzigen Krankheit behandelt. Zur Kniearthrose gesellen sich ein Diabetes, ein hoher Blutdruck und vielleicht noch chronische Rückenschmerzen. Die vielen Symptome und Befunde führen zu einer Polypragmasie, das heisst: der oder die Kranke benötigt nicht nur eines, sondern 4 oder 5 oder noch mehr Medikamente pro Tag. Medikamente, die sich gegenseitig vielleicht schlecht oder gar nicht vertragen oder ein vorhandenes Symptom verschlechtern. So können bekannte "Rheumamittel" wie Voltaren und andere wohl die Knie- und Rückenschmerzen ein wenig lindern; gleichzeitig verschlechtern sie den Zuckstoffwechsel, die Herzbeschwerden, die Nierenfunktion und den Blutdruck. Es liegt nun im Wissen und Ermessen des behandelnden Arztes festzulegen, welche Arzneien unverzichtbar sind und welche getrost und gefahrlos auf der Seite gelassen werden können. Diese Einschränkung gilt nicht nur für das angesprochene Voltaren und trifft für gesunde junge Menschen, die für kurze Zeit ein solches Produkt einnehmen müssen, nicht zu.

In Zukunft wird es die Aufgabe der "Case-Manager" sein, komplexe Fälle unter die Lupe zu nehmen und das weitere Vorgehen hinsichtlich Abklärungen und Medikation festzulegen. Im Übrigen gibt es bei der SWICA diese speziell geschulten Fachleute schon. In Bälde wohl für alle Kassen eine Selbsverständlichkeit...

12.11.11

Den Grippeviren gefällt das milde Wetter überhaupt nicht. Sie verhalten sich auffallend still. Keiner weiss, was geschieht, wenn der Winter Einzug hält. Vielleicht warten die Störefriede und Krankmacher auf eine günstige Gelegenheit, um massiv zuzuschlagen.

Vor- und Nachteile der Grippeimpfung werden jedes Jahr aufs Neue kontrovers diskutiert. Spezialisten auf der einen Seite beschwören vor allem die älteren Semester, sich impfen zu lassen. Sepzialisten auf der anderen Seite behaupten indes, die Impfung nütze im Alter überhaupt nichts, weil die älteren Körper nicht mehr fähig seien, die zum Schutz vor der Infektion notwendigen Antikörper zu bilden.
Wer hat recht? Die Frage bleibt offen. Auch in diesem Jahr. Wir in unserer Praxis empfehlen den Patienten die folgende Taktik: wer bisher noch nie eine schwere Grippe erlitten hatte, soll sich eher nicht impfen lassen. Wer mit der Impfung gute Erfahrungen gemacht hatte, soll diese auch heuer bekommen. Bei den Unentschlossenen entscheiden die Begleitumstände: chronische Krankheiten, geschwächte Abwehr, andere Leiden, welche undbedingt vor zusätzlichen Symptomen geschützt werden müssen. Dass unsere Richtlinien nicht allgemein verbindlich sind, versteht sich von selbst. Und wenn Ihr Arzt eine andere Ansicht vertritt, hat er auch recht. Auffallend: die Grippeimpfung bei Kindern ist hierzulande überhaupt kein Thema.

6.11.11

"Watson" heisst der neue Superrechner, welcher den geplagten Ärzten vor allem bei schwierigen Diagnosen und Therapien helfen soll. IBM hat das elektronische Genie entwickelt, welches imstande ist, innerhalb von 3 Sekunden 200 Millionen Seiten mit medizinischen Informationen zu durchstöbern. Wahnsinn! "Professor Watson" soll dort zum Eisatz kommen, wo wir Ärzte nicht mehr weiter wissen. Gemäss einem wissenschaftlichen Artikel sind unsere Diagnosen in 85 bis 90% richtig. Eine gute Referenz, wie mir scheint. Watson soll sein Wissen und Können in jenen 10 bsi 15% beweisen, in welchen wir anstsehen. Auf diese Weise gelingt es vermutlich, eine extrem schwierige oder komplexe Diagnose viel schneller zu erkennen und damit Zeit für eine vielleicht noch effektive Therapie zu gewinnen. Schöne Aussichten vor allem für die jungen Ärzte. Wann Watson in die Praxen kommt, steht noch nicht fest. Ebensowenig sein Preis.

5.11.11

Gestern ging der nationale Grippe-Impftag über die Bühne. Wir haben davon in unserer Praxis nichts bemerkt. Ganz offensichtlich ist die Impffreudigkeit nach den Prognose-Skandalen in den letzten Jahren spürbar zurück gegangen. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) und das BAG (Bundesamt für Gesundheit) haben anscheinend aus ihren gravierenden Fehlern in den letzten Jahren etwas gelernt: sie sind in Sachen Propaganda für die Grippe-Impfungen zurückhaltender geworden. Keine grossartige Leistung - aber: immerhin. Die Millionenverluste, an welchen die beiden genannten Organisationen nicht ganz unschuldig sind, wiegen doch schwerer als manch einer gedacht hatte.